Mein alter Plan A


Um meine Lebensplanung umzusetzen habe ich mit 16 Jahren endlich mal angefangen in der Schule aufzupassen. Bis dahin habe ich Schule nur als unnütz empfunden, jetzt da ich meine Ziele habe, machte Bildung sinn. Ein guter Schulabschluss wäre nötig um einen guten Job zu bekommen. Meinen Hauptschulabschluss schaffte ich gerade so, weil ich endlich begann umzudenken. Erfolgreiche und fröhliche Menschen haben einen hohen Bildungsgrad, also wollte ich das auch und holte mir das Fachabitur damit ich studieren kann. Denn nur studierte Menschen haben die Chance weit aufzusteigen in den angesehenen Konzernen dieser Welt, so dachte ich zumindest. 

Hier die Planung meines Lebens, die ich fokussiert verfolgte. Ich war schon sehr weit, eigentlich schon fast fertig. Um mir meinen Traum vom perfekten Leben zu ermöglichen musste ich gewisse Stufen erklimmen, diese waren in Stein gemeißelt.

Ziel: Ansehnliches Haus, tolles Auto, begehrter Job, vorzeige Familie, 4 Wochen Superurlaub pro Jahr.

Ausgangspunkt: 16 Jahre alt, stehe kurz davor meinen Hauptschulabschluss zu versauen. Um möglichst gute Chancen auf einen dieser begehrten Jobs zu haben, entschloss ich, das ich ein Studium absolvieren will. Was mit einem Hauptschulabschluss mit 4,1 etwas schwer wird.

Mein geplanter Werdegang, der alle stolz gemacht hätte:

  • Fachabitur erlangen, um den Hochschulzugang zu bekommen.
  • Studium bestmöglich absolvieren, um tollen und gut bezahlten Job zu ergattern.
  • Job finden, um Karriereleiter aufzusteigen.
  • Frau finden, um perfekte Familie zu gründen.
  • Haus bauen, um der Gesellschaft gerecht zu werden und zu zeigen das man sich ein ansehnliches Haus gönnen kann.
  • Luxusgüter sammeln, tolles Auto, tolle Uhren und Kleidung, so das erkennbar ist wie erfolgreich man den deutschen Traum lebt.
  • 4 Wochen Urlaub pro Jahr, um mal Zeit mit der Familie zu verbringen und um der ganzen Welt die Möglichkeit zu geben diesen perfekten deutschen Traum kennen zu lernen. Alles auf den Social Media Plattformen festgehalten, damit man diese perfekte Familie like kann.
  • Bis zur Rente möglichst weit aufsteigen, damit jeder applaudiert weil man dieses System so gut umgesetzt hat.
  • Paar Jahre Rente genießen und den Kindern bei der Erreichung des gleichen deutschen Traums helfen.

Alles läuft nach Plan, mein Studium habe ich erfolgreich abgeschlossen, das Ergebnis war auch sehr gut. Ich hatte während dem Studium bei verschiedenen Firmen gearbeitet, somit war mein Einstieg in das Arbeitsleben auch gesichert und die Karriereaussichten waren vielversprechend. Somit wäre die größte Hürde für den deutschen Traum geschafft. Mit dem Bachelor in der Tasche und guten Aussichten in der Automobilbranche könnte ich meine 50 Jahre lange Arbeitskarriere antreten. Das Haus, Auto und Familie würden sich dann in den nächsten Jahren ergeben, einen soliden Grundstein hatte ich gelegt. Der Plan wird funktionieren.

Während dem Studium wurden meine Ziele gestärkt, fast jeder träumte davon Karriere zu machen und wollte Besitztümer anhäufen. Ich arbeitete während dem Studium regelmäßig, so konnte ich mir erste Statussymbole ermöglichen. Neuste Markenkleidung, ein nettes Auto, elektronische Spielereien. Es kam gut an, was sich auch gut anfühlte. Es war ein Vorgeschmack auf das was ich im größeren Stil geplant hatte für die Zeit nach dem Studium. Ich war erfolgreich im Studium, die guten Noten wurden von Bekannten und meiner Familie positiv aufgenommen, ich wurde nicht mehr als der Junge angesehen der Prüfungen gerade so besteht oder öfters versagt. Ebenso wurden die kleineren Luxusgüter wahrgenommen, die ich mir erarbeitete, was sich nach Erfolg anfühlte. In der Arbeitswelt konnte ich mich auch beweisen, ich gab alles um einen guten Eindruck zu hinterlassen, damit ich gute Chancen beim späteren Einstieg hatte. Das gelang mir auch, ich ging immer noch einen Meter extra, damit mein Fleiß bemerkt wird.

Ich bemerkte aber auch das nicht alle diesen typischen Karriere Traum verfolgten. Bei diesen Personen spielten nicht materielle Dinge und Lebenserfahrungen eine Rolle, sie wollten verreisen und nichts tun, erstmal keine Karriere starten und ferne Orte erkunden, Menschen kennenlernen. Für mich unverständlich, was würde es ihnen bringen? Was wollen sie ernten durch solche Vorhaben, was soll ein zukünftiger Chef mit jemanden der ein Jahr in Australien rumgereist ist? Was bringt es jemanden wenn er mehrere Monate auf den Seychellen Schildkröten streichelt? Natürlich wollte ich auch nach Australien und auf die Seychellen, würde sich sicherlich gut machen auf Instagram. Aber nur für ein paar Wochen und dann wieder zurück an den Arbeitsplatz. Andere wollten nicht Arbeitnehmer werden, sie wollten künstlerisch tätig werden. Natürlich gibt es große und erfolgreiche Künstler, ebenso gibt es Weltenbummler die erfolgreich sind. Aber das andere Studenten so etwas planten fand ich fahrlässig, mein Plan war gut definiert, nicht so viele unbekannte Variablen wie bei dem Vorhaben als Künstler erfolgreich zu werden. Aber wie soll man Erfolg durch Reisen planen? Wie soll man gesellschaftliches Ansehen erarbeiten durch jahrelanges Singen und Malen für den Mindestlohn. Eine sehr rücksichtslose Planung, ich bleibe lieber auf dem Weg meines deutschen Traum.

Also los, auf in die Karriere. Der nächste und sehr entscheidende Schritt in meiner Planung wollte aber nicht funktionieren. Die wirtschaftliche Lage war schlecht, es wurde kaum Festanstellungen vergeben, wenn überhaupt nur Zeitarbeitskräfte beschäftigt. Das war aber nicht Zielführend für meine Planung. Bis ich endlich in das Karrierekarussell einsteigen konnte überbrückte ich die Zeit mit eigenständiger Arbeit. Etwas was ich während meinem Studium schon tat, ich erfüllte auf selbständiger Basis Aufträge. Man bekommt eine gute Bezahlung, im Tausch für Zeit, Sicherheit und Planbarkeit. Das alles hat mich etwas aus der Bahn geworfen, meine Kontakte sagten mir das es an meinen geplanten Karriere-Startpunkten gerade schlecht aussah. 

Diese selbstständige Arbeit war gut bezahlt, also meiner Planungen nicht hinderlich, aber langfristig wollte ich das nicht machen. Bei dieser Arbeit gibt es keine Sicherheit das die Aufträge regelmäßig weitergehen und zu viele Faktoren die sich ändern könnten. Aber interessant war es, denn hierbei konnte ich jederzeit und von überall aus Geld verdienen, also Ortsungebunden und es gab eine große Vielfalt an Tätigkeitsbereichen. Ich konnte Bekannte besuchen und Vorort arbeiten, ich konnte einen Wochenendausflug machen und diesen nebenbei finanzieren. Meine Arbeitszeit nahm dabei gerne mal 60 Stunden pro Woche ein, aber sowas hatte ich ohnehin eingeplant, immerhin wollte ich Karriere machen und aufsteigen.

Meine Arbeitsfelder waren sehr Zahlreich, manche Aufträge wurden Vorort in Geschäften erfüllt, manche erforderten keine physische Anwesenheit. Kundenbetreuung, Verkauf, Beratung oder Unterstützung für verschiedenste Auftraggeber waren meine Aufgaben. Die Zeitplanung war mir überlassen und ich konnte mehrere verschiedene Aufträge gleichzeitig annehmen. Das sorgte für ungeplante Freiheit und das fühlte sich gut an, wobei kein Bekannter oder Verwandter wirklich wusste was ich tat. Ich hielt es sogar weitestgehend geheim, weil die aktuelle Situation von meiner Planung sehr stark abwich und ich etwas enttäuscht von meiner Lage war. Aber mein Wohlbefinden war gut, denn ich hatte Erfolg und viele Freiheiten. Große Sprünge, die ich mir eigentlich Leisten können wollte, waren nicht möglich, weil ich damit rechnen musste das die Aufträge ausbleiben. Und auch ein großes Thema hierbei, sind Steuerforderungen, für die man einen ordentlichen Puffer einplanen sollte.

Ich entschied das ich meine Planung etwas verändern könnte, dazu war ich nun ja auch ohnehin gezwungen. Untätig war ich nicht, ich war sehr aktiv, das würde mir die Gesellschaft und mein zukünftiger Arbeitgeber bei dem ich Karriere machen werde, sicher hoch anrechnen. So gesehen führte ich ein kleines Unternehmen und ich konnte freie Zeit nutzen um mich nach Karrieremöglichkeiten umzuschauen. Ich entkoppelte mich langsam und unbewusst von meinem Plan, dieses kontrollierte Chaos machte Spaß. Ich hatte vorher nicht geplant Spaß beim Job zu haben, es war nur ein Mittel zum Zweck. Durch meine Karriere wollte ich Anerkennung bekommen von der Gesellschaft und mir Sachen ermöglichen die jeder haben möchte, das war der Spaß den ich geplant hatte für mich.

Wieso klappt diese chaotische Weg, bei dem ich nie wusste was ich nächste Woche machte so viel besser als mein präzise ausgetüftelter Lebensplan. Und es machte auch noch Spaß und fühlte sich richtig an. Ich war mein eigener Chef und war nicht mehr von Meinungen anderer Abhängig, ebenso war meine Tätigkeit weitestgehend Ortsunabhängig. Ich konnte an einen Tag Trainer für einen großen Smartphonehersteller sein und am nächsten Tag Mitschriften erstellen für eine Arztpraxis, mehr Abwechslung geht glaube ich nicht.

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